Historisches 1925-1955 (Text: Franz v. Tautphöus, Fotos: Sammlung Dr. Peter Schweiger)   Fortsetzung: 1953 bis heute


1925 war das Gründungsjahr des WSVI. Es lohnt sich, einen Blick auf dieses weit zurückliegende Jahr zu werfen, das dem Skisport, nicht nur in Bayern, ganz besonderen Auftrieb brachte. Ein Jahr zuvor, vom 25. Januar bis 4. Februar 1924, hatten im französischen Chamonix die ersten olympischen Winterspiele stattgefunden, noch unter Ausschluß Deutschlands, das erst 1928 in St. Moritz dabei sein sollte. Die Werbewirkung dieser ersten winterlichen Sport-Veranstaltung von internationalem Ausmaß war unverkennbar. Auch der Film hatte zu dieser Zeit schon Bedeutendes zur Förderung und Verbreitung des Skisports getan. Streifen wie Wunder des Schneeschuhs und Fuchsjagd im Engadin, mit dem Arlberger Hannes Schneider unter Dr. Arnold Franck gedreht, waren in aller Welt vorgeführt und mit heller Begeisterung aufgenommen worden. In München hatte man die Vereinigung zur Förderung des Skilaufs gegründet. Auf dem Gelände der Rott'schen Kiesgrube in Bogenhausen erhielt Bayerns Hauptstadt eine Sprungschanze mit künstlichem Anlaufturm, die im März 1925 bei strahlendem Sonnenschein von namhaften Skipringem eingeweiht wurde.

Kein Wunder also, daß man von München aus auch ins nahegelegene Isartal blickte, das schon seit den neunziger Jahren Tummelplatz vieler Anhänger des Skisports war. Dort beschloß man, eine Wintersport-Vereinigung Isartal mit dem Sitz in Icking ins Leben zu rufen. Zweck des Unternehmens war es, in Icking eine Sprungschanze zu bauen, Übungshügel ausfindig zu machen und Touren- bzw. Wanderstrecken zu markieren. Am 21. November1925, einem Samstag, rief Oberbahnmeister Anton Pessenbacher aus Wolfratshausen alle Freunde des weißen Sports zur Gründungsversammlung ins Cafe Weiße Wand in Icking, das heutige Cafe Roth. Inhaber des Cafe war Anton Rest, späterhin nur noch der Rest -Toni genannt; er war selbst eifriger Skifahrer und Paddler, der dem Kreis des Ski- und Kajak-Apostels C. J. Luther, des Herausgebers der Zeitschrift Der Winter, angehörte.

Bereits eine Woche nach der denkwürdigen Gründungsversammlung, am 29. November, dem ersten Adventsonntag, trat man wieder zusammen, diesmal im Gasthof Klostermaier in Icking, der auch heute noch Vereinslokal ist. Die Vereinssatzung wurde beschlossen und die erste Vorstandschaft gewählt. Vereinsvorstand wurde Oberst Ritter von Herrmann. Oberbahnmeister Pessenbacher, Oberleutnant a. D. Bosch, Buchhalter Georg Drausnick, Kaufmann Hugo Leitner, Diplom-Kaufmann Johann Sauer und Kaufmann Karl Hohns standen Ihm zur Seite. Dazu als geheime Sporträte Carl J. Luther und der Münchner Skipionier Albert Ganzenmüller, als Tourenwart Anton Rest und als Jugendwarte Assessor Riegler und Fabrikant Hüfftlein. Sogar drei Beisitzer benötigt man zur Betreuung der 106 Gründungsmitglieder: die Herren Grunner, Gutsbesitzer Braun und Oberamtsrichter Wich. In den Eröffnungsreden wurde das Isartal als das schönste Skigebiet vor den Toren der Stadt München gepriesen. Der Jahresbeitrag wurde auf 3 Reichsmark festgesetzt. Jugendliche Mitglieder und Studenten zahlten die Hälfte.

In der nächsten Versammlung am 30. Dezember1925 beschloß man, dem Bayerischen Skiverband nicht beizutreten. Eine Begründung dieses Beschlusses meldet die Chronik nicht. Immerhin konnte man bereits am 24. Januar 1926 die erste Werbeveranstaltung austragen. Es war ein Langlauf, der vom Cafe Hubertus in Ebenhausen über Irschenhausen und Walchstadt zum Cafe Weiße Wand in Icking führte.

 

 

 

Man sieht, die Gastronomie des Isartals wurde in der Anfangszeit keineswegs vernachlässigt. Im Februar jedoch stimmten die Mitglieder mit Nein, als die Abhaltung eines Faschingsabends angeregt wurde!

lm Oktober 1926 legte Oberst von Herrmann den Vorsitz nieder. An seine Stelle rückte Kaufmann Karl Hohns aus Hohenschäftlarn. Unterdessen war der Bau der ersten Ickinger Sprungschanze vollendet wurde. Sie befand sich auf dem Gelände der Lokalbahn, die später in den Besitz der Reichsbahn überging. Es war eine Naturschanze mit kleinem künstlichem Anlauf- Ansatz; der Aufsprung entsprach dem der heutigen Ickinger Sprungschanze. Am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1926 war das Eröffnungsspringen. Viele Hundert Zuschauer - vor allem aus München - waren anwesend.

Die neugegründete Wintersportvereinigung pflegte aber nicht nur den Skisport. Auch das Rodeln gehörte zum Vereinsprogramm, zumal Ebenhausen eine ideale Rodelbahn von 750 Meter Länge besaß. Für den 13. Januar 1928 wurde in Ebenhausen die Gaumeisterschaft im Rodeln ausgeschrieben. Gaumeisterin wurde die Ebenhausnerin Anni Jbler.

 

 

 

Viel Schnee (und sibirischen Frost) brachte der Winter 1928/29. Jeden Sonntag wimmelte es auf den Isartaler Hängen von Männlein und Weiblein, die, wie uns die Chronik überliefert, dem herrlichen Skisport frönten. Inzwischen hatte man auch in Baierbrunn eine Sprungschanze gebaut. Ein Schauspringen dort, brachte einen wahren Zuschauerrekord.

Der erste Jsartaler Jugend-Skitag fiel auf den 4. März 1931. Auch an die Allerkleinsten war damals schon gedacht.

Der Vereinsbeitrag war nach stürmischer Sitzung auf 4 Reichsmark erhöht worden. In der Hauptversammlung vom 4.12.1932 nahm der Ickinger Kaufmann Hugo Leitner die Wahl zum ersten Vorsitzenden an.

Der Vorschlag, im Tölzer-Skigebiet eine Hütte für 60 Reichsmark pro Jahr zu mieten, fand keinen Beifall.

Der nächsten Hauptversammlung am 29.8.1933 war die Machtergreifung vorausgegangen. Die bisherige Vorstandschaft trat zurück. Erster Punkt der Tagesordnung war die Gleichschaltung auf das Führerprinzip. Das heißt, der neue Vorsitzende - sein Name war Joachim Düwel - hatte das Recht, seine Mitarbeiter selbst zu bestimmen. Das Protokoll wurde mit Ski Heil unterschrieben. Doch schon am 30.1.1936 ging man wieder dazu über, den Vorstand zu wählen: Franz Illsung aus Hohenschäftlarn. 1936 war Olympia-Jahr. In Garmisch-Partenkirchen veranstaltete man die vierten Winterspiele. Der alpine Skilauf hatte unterdessen seinen Siegeszug angetreten und war erstmals ins olympische Programm aufgenommen worden. Als die Wintersportvereinigung Isartal am 22.11.1936 wieder zur Jahreshauptversammlung zusammentrat, trugen sich nur vierzehn Mitglieder in die Anwesenheitsliste ein. Einer der Anwesenden war Gaufachamtsleiter Major Robert Henle aus München, der nach dem zweiten Weltkrieg bis zu seinem Tode im Jahre 1950 wesentlichen Anteil an der Wiedererweckung des Skisports in Bayern hatte.

Ein Jahr später wählten die Mitglieder der Wintersportvereinigung Isartal Anton Rest senior zum Vereinsführer. Der Nachwuchs des Hauses Rest, Eva, Toni und Walter, hatte sich mittlerweile im bayerischen und deutschen Skisport einen Platz errungen, der dem anderer Skidynastien durchaus ebenbürtig war. Anton Rest senior, der Rest -Toni, war ein Original im besten Sinne des Begriffes. Unerschöpflich war sein Einfallsreichtum, unermüdlich war er tätig für den Verein. Er war es auch, der die großen und nachgerade berühmten Ickinger Faschingsfeste ins Leben rief. Maschkera auf der Skihütte, Jahrmarkt im Krähwinkel und Wiener Walzerabend hießen sie. Schon bald nach Kriegsende setzte Toni Rest auch diese Tradition der Isartaler Wintersportler fort.

Der Krieg brachte das Vereinsleben zum Erliegen. Doch schon im Jahre 1947 richtete der Wintersportverein Isartal, wie er jetzt hieß, wieder einen Isartaler Jugend-Skitag aus. Im gleichen Jahr wurde in Gemeinschaftsarbeit mit dem Skiabteilung des TSV 1860 München die neue Ickinger Sprungschanze mit dem großen hölzernen Anlaufturm erbaut. Begutachter war der Sprunghügelberater des Deutschen Skiverbandes Carl J. Luther, der geheime Sportrat aus der Gründungszeit des WSVI. Die neue Schanze bewährte sich am 15. und 16. Januar1949, als Icking erstmals Schauplatz der Münchner Nordischen Skimeisterschaften war. Am Start Anlaufturm standen damals keine geringeren als die Altmeister Gustl Müller aus Bayrisch Zell und der Schlesier Günther Meergans.

Großen Zulauf fanden in den folgenden Wintern die Ickinger Nachtspringen bei Flutlicht und natürlich die von Toni Rest aufgezogenen Faschingsfeste.

Toni Rest war auch einer der ersten, die nach Kriegsende wieder über die Grenze blickten. Mit dem Fahrrad, dem neuen Sommersportgerät des WSVI, fuhr er ins Nachbarland Tirol und knüpfte Verbindungen an, die dazu führten, daß Ostern 1952 im Gebiet der Gerlossteinhütte im Zillertal der erste Klubvergleichskampf zwischen dem WSV Isartal und dem WSV Zell am Ziller ausgetragen wurde. Der Vergleichskampf wurde in den folgenden Jahren zur festen Einrichtung. 1953 wurde er am Blomberg bei Bad Tölz ausgetragen, 1954 wieder im Zillertal. Die Gerlossteinhüte wurde zum Ziel von Vereinsausflügen. Am 30. April 1954 fuhr eine größere Anzahl WSVI-ler zum Gerlosstein, um noch einmal Frühjahrsschnee und -sonne zu genießen. Skivater Toni Rest, zum Ehrenvorsitzenden des WSVI ernannt, war in letzter Stunde von der Teilnahme an dieser Fahrt abgehalten worden. Als man sich am 2. Mai, einem Sonntag, beim Volksfest in Zell mit Zillertaler Freunden zusammenfand, kam aus Icking die Nachricht, daß Toni Rest auf der Rückfahrt von einer Radtour zum Ammersee vom Tod ereilt worden war. In Icking trugen die WSVI-ler ihren Ehrenvorsitzenden zu Grabe.

Die Feiern zum dreißigjährigen Bestehen des WSVI waren - noch von Toni Rest - auf den 18. und 19. September 1954 festgelegt worden. Unter dem Schatten seines Todes stand dieses Ickinger Fest, das mit dem Straßen-Radrennen Rund um die Weiße Wand begann. Zum Festabend spielte damals die Musik-Kapelle Zell am Ziller im vollbesetzten großen Saal des Gasthof Klostermeier in Icking.

Fortsetzung: 1953 bis heute